Ausstellungen 2017


An acht beteiligten Ausstellungsorten wurden zeitgenössische Arbeiten von mehr als 90 renommierten und teils noch unbekannten KünstlerInnen gezeigt, die sich, real und fiktiv, mit der heutigen Gesellschaft auseinandersetzen.

 

 Alle Ausstellungen widmeten sich dabei dem Thema "Grenzen" – diskutiert anhand dokumentarischer und künstlerischer Arbeiten. Was sind Grenzen? Brauchen wir Grenzen? Der Philosoph Konrad Paul Liessmann sagt: „Wörtlich könnte man Definition mit Abgrenzung übersetzen. Jeder, der einen Begriff definiert, begrenzt seinen Inhalt, und das müssen wir tun, damit wir uns einerseits als Menschen verständigen und uns andererseits die Welt begreiflich machen können. Der Mensch kann gar nicht anders, als überall Grenzen zu setzen.“ Grenzen trennen Welten – räumlich und zeitlich, sozial und kulturell. Sie bieten Berührungspunkte, Zonen der Überquerung und der Überwindung von Trennendem.

 

Jeder Ausstellungsort präsentierte einen eigenen Zugang zu diesem Thema und zeigt unterschiedliche Herangehensweisen der Fotografie: künstlerische, dokumentarische und fotojournalistische Arbeiten, inszenierte und experimentelle Fotografie. Das Spektrum reichte von den „Grenzen des Wachstums“, bezogen auf die Ausbeutung von Umwelt und Natur, bis hin zu den „Grenzen des Mediums der Fotografie selbst“.

 


Die Grenzen des Wachstums


Im Jahr 1972 erschien die Studie 'Grenzen des Wachstums' des Club of Rome, die zum Inbegriff für die Folgen einer zügellosen Weltwirtschaft wurde, der Ausbeutung von Umwelt und Natur, der Zerstörung von Lebensraum und der Zunahme von sozialer Ungleichheit. Die dort aufgezeigten Szenarien wurden immer wieder kontrovers diskutiert. Damals wie heute stehen Fragen um die Endlichkeit der Ressourcen, einer nachhaltigen und sozial gerechten Wirtschaft im Zentrum der Debatten. Die Ausstellung zeigt Sichtweisen aus der Fotografie, über die zunehmenden Probleme sowie als Antwort darauf neue Modelle und Lebensweisen.

 

KünstlerInnen:

Mandy Barker, Manuel Bauer, Stéphanie Buret, Dornith Doherty, Barbara Dombrowski, Micha Ende, Stefan Enders, Satoshi Fujiwara, André Giesemann, Peter Ginter, Alessandro Grassani, Frauke Huber, Karina Juárez, David Klammer, Kai Löffelbein, Gerd Ludwig, Uwe H. Martin, Simon Norfolk, Jorge Panchoaga,  Pablo Piovano, Ewa Priester, Johannes Puch, Daniel Schulz, Claudius Schulze, Vlad Sokhin, Vladimir Wegener, Mario Wezel

 

Die KünstlerInnen wurden durch folgende Gastkuratoren ausgewählt:

Peter Bitzer, Lars Boering, Anja Bohnhof, Lois Lammerhuber, Kristin Dittrich, Margot Klingsporn, Peter Liedtke, Peter Lindhorst, Martina Mettner, Rolf Nobel, Ute Noll

© v.l.n.r.: Barbara Dombrowski, Stéphanie Buret, Uwe H. Martin


Everyday Is Like Sunday


Das Künstlerhaus Dortmund zeigt in sieben Positionen fotografische Arbeiten unter dem Titel "Everyday Is Like Sunday". Im Songtext von Morissey wird deutlich, dass es sich nicht etwa um erfüllte Wochenzeit handelt, sondern vielmehr um die Bedrohung durch den Feiertag, wenn er als still und grau empfunden wird. Diese im Titel der Ausstellung steckende Ambivalenz wurde als Leitmotiv für die Ausstellung gewählt. Zwischen Alltag und Feiertag, zwischen Normalität und Experiment, zwischen Arbeit und Freizeit, zwischen Fest und Langeweile spannen die Arbeiten der eingeladenen KünstlerInnen ein Panorama der Alltagswelt auf, in das immer wieder verstörende Momente einbrechen. Dabei spielen der Konsum und seine auf die Freizeit gerichteten Aspekte eine Rolle, wenn mit harter Arbeit Wunschwelten suggeriert werden. Andere Arbeiten der Ausstellung beschäftigen sich mit dem Erleben von Sexualität zwischen Prostitution und Lebensgemeinschaft. Feiertag als Flucht aus dem Alltag, Alltag als Freiheit von der grauen Einöde des Sonntags: In der Ausstellung werden auch die Lebenswelten des Ruhrgebiets zu sehen sein, die je nach Wochentag als Freizeitpark oder als Kulisse der bezahlten Arbeit gelesen werden können.

 

Beteiligte KünstlerInnen:

Julian Faulhaber, Birte Kaufmann, Katrin Koenning, Kiên Hoàng Lê,  Albert Renger-Patzsch, Kathrin Tschirner, Christian Werner

Konzept und Organisation: Peter Schmieder und Jens Sundheim

© v.l.n.r.: Christian Werner, Kiên Hoàng Lê, Kathrin Tschirner


HOME STORIES


HOME STORIES stellt Menschen unterschiedlicher Herkunft vor, die aus triftigen Gründen – Krieg, Verfolgung, Diskriminierung etc. – ihr Heimatland verlassen mussten und mittlerweile in Dortmund in einer eigenen Wohnung leben. Das Non-Profit-Projekt zeigt in beeindruckenden Bildern und Texten die Einzelschicksale, die persönlichen Geschichten hinter dem Etikett "Flüchtling". HOME STORIES gibt diesen Menschen so ein Stück ihrer Würde zurück. Und zeigt das große und unverzichtbare Engagement der Zivilgesellschaft. Es lässt „unsere neuen Nachbarn“ zu Wort kommen und offenbart so die jeweiligen Hintergründe der Flucht und die Träume von der Zukunft. Dabei liegt der Focus auf einer behutsamen Betrachtung und vor allem darauf, mit diesen Menschen zu reden - und nicht über sie.

 

Künstlerin: Alexandra Breitenstein

© Alexandra Breitenstein


Felix Kleymann - Escaping Death


In seiner Fotodokumentation »Escaping Death« begleitet der Fotograf Felix Kleymann Menschen auf ihrer Fluchtroute vom Irak über die Türkei, Griechenland, Mazedonien, Serbien, Kroatien, Slowenien, Österreich bis nach Deutschland. 

Er dokumentiert das Leben in den Camps im Nordirak und in den Flüchtlingscamps in der Türkei.  Kleymann stieß auf Menschen in Extremsituationen: durch Kriegserlebnisse gebrochen, lethargisch vor Langeweile in Flüchtlingslagern, panisch im Dunkeln auf hoher See, gestresst auf dem Weg quer durch Europa.

Er lernte, dass es in Flüchtlingslagern aufwendigste Hochzeitskleider zu kaufen gibt und dass gleichzeitig die Scheidungsrate dort besonders hoch ist.

Anstatt von außen über die Schicksale auf der Flüchtlingsroute zu berichten, mischte er sich unter die Menschen und folgte ihrem Weg. Eine zweimonatige Reise, die ihn das Schicksal der Menschen hautnah erleben ließ.

 

Künstler: Felix Kleymann

© Felix Kleymann


X-Dualismen


Grenzen überschreiten bedeutet, aus seiner Komfortzone heraus zu treten.

Jedoch sollten wir eine Grenzüberschreitung als Chance sehen, über unseren Horizont, einen von Gesellschaft und Umfeld auferlegten Tellerrand hinaus zu blicken, um etwas Neues zu erschaffen.

Eine Idee, einen Gedanken, ein Gefühl.

Das Streben nach Grenzenlosigkeit ist das Streben nach Freiheit.

Wenn wir frei sind, steht uns alles offen. Es gibt dann keine Grenzen mehr.

Es gab sie nie.

Denn ‚Grenze’ ist nur ein Wort, welches vielfach interpretiert werden kann.

Das wird auch hier, in der Ausstellung ‚X Dualismen’ im ‚Export 33’, deutlich: Zehn Menschen, die gemeinsam an der Folkwang Universität der Künste studieren, aus ähnlichen Kreisen stammen und doch völlig verschiedene Interpretationen der gegebenen Thematik ‚Grenzen’ darbieten.

 

Beteiligte KünstlerInnen:

Tabea Borchardt, Max Füllbier, Charlotte Hock, Melina Lilienfeldt-Karstner, Rebecca Racine Ramershoven, Alexander Scholle, Maximilian Schulz, Johanna Senger, Janik Weu, Lidong Zhao

© v.l.n.r.: Max Füllbier, Tabea Borchardt, Rebecca Racine Ramershoven, Tabea Borchardt


Die Grenzen der Fotografie (1)


In physischen ebenso wie in mentalen Feldern bezeichnen und konstituieren Grenzen Trennungen zwischen Bereichen, die sodann als heterogen erscheinen: Es sind Setzungen, die ebenso einschließen wie ausschließen. Neben natürlichen und geographischen Grenzen existieren Grenzziehungen zwischen Körper und Geist oder Seele oder – je nach Sichtweise – der Psyche. Wirtschaftliche und soziale Modalitäten der Ein- und Ausgrenzung können ebenso gefunden werden wie ideologische, religiöse oder kommunikative Abgrenzungen. Grenzen, so ließe sich sagen, bestimmen wie kaum ein anderer Fakt unser In-der-Welt-Sein – und sind somit auch für eine fotografische bzw. fototheoretische Auseinandersetzung interessant.

 

In einer Kooperation zwischen dem Master-Studiengang Photographic Studies am Fachbereich Design der FH-Dortmund und dem Arbeitsbereich für Fotografie am Seminar für Kunst und Kunstwissenschaft der TU Dortmund haben wir das Thema Grenzen gedanklich und visuell erforscht und dabei vor allem auch die Grenzen des Mediums Fotografie selbst diskutiert. Die Ergebnisse dieser anwendungsorientierten Forschung werden im Rahmen des f2-Fotofestivals in zwei Ausstellungen gezeigt. Zum einen auf der Hochschuletage/Campus Stadt der TU Dortmund im Dortmunder U, zum anderen in der Werkhalle im Union Gewerbehof. Ausstellen werden Studierende beider Studiengänge.

 

Beteiligte Künstler: Studierende der FH und TU Dortmund

Verantwortliche Dozenten: Dirk Gebhardt, Timo Klos und Marcel René Marburger

© v.l.n.r. Marvin Eil, Carolina Brüchert-Pastor, Nikolai Hering, Mareile Vaags & Marsha Zeitheim


Die Grenzen der Fotografie (2)


In physischen ebenso wie in mentalen Feldern bezeichnen und konstituieren Grenzen Trennungen zwischen Bereichen, die sodann als heterogen erscheinen: Es sind Setzungen, die ebenso einschließen wie ausschließen. Neben natürlichen und geographischen Grenzen existieren Grenzziehungen zwischen Körper und Geist oder Seele oder – je nach Sichtweise – der Psyche. Wirtschaftliche und soziale Modalitäten der Ein- und Ausgrenzung können ebenso gefunden werden wie ideologische, religiöse oder kommunikative Abgrenzungen. Grenzen, so ließe sich sagen, bestimmen wie kaum ein anderer Fakt unser In-der-Welt-Sein – und sind somit auch für eine fotografische bzw. fototheoretische Auseinandersetzung interessant.

 

In einer Kooperation zwischen dem Master-Studiengang Photographic Studies am Fachbereich Design der FH-Dortmund und dem Arbeitsbereich für Fotografie am Seminar für Kunst und Kunstwissenschaft der TU Dortmund haben wir das Thema Grenzen gedanklich und visuell erforscht und dabei vor allem auch die Grenzen des Mediums Fotografie selbst diskutiert. Die Ergebnisse dieser anwendungsorientierten Forschung werden im Rahmen des f2-Fotofestivals in zwei Ausstellungen gezeigt. Zum einen auf der Hochschuletage/Campus Stadt der TU Dortmund im Dortmunder U, zum anderen in der Werkhalle im Union Gewerbehof. Ausstellen werden Studierende beider Studiengänge.

 

Beteiligte Künstler: Studierende der FH und TU Dortmund

Verantwortliche Dozenten: Dirk Gebhardt, Timo Klos und Marcel René Marburger


Poppy - Trails of Afghan Heroin


Die Seidenstraße verbindet seit jeher Ostasien mit dem Westen und war einst ein berühmter Handelsweg, über den nicht nur Güter, sondern auch Religionen und Kulturen ausgetauscht wurden. Heute ist die Trasse über weite Strecken tot, in Elend verkommen und wird als Drogenroute genutzt. Über zwanzig Jahre haben Robert Knoth und Antoinette de Jong die Spur des Heroins verfolgt, die von Afghanistan über Zentralasien, Russland und den Balkan nach Ostafrika, Dubai und Westeuropa führt und sich in den Straßen von London verliert. Brutale Bandenkriege, tödliche Sucht, illegale Geldwäsche, skrupellose Korruption sowie käufliche Liebe gepaart mit der epidemieartigen Ausbreitung von AIDS – als multimediale Installation angelegt dokumentiert das Projekt „Poppy“ auf beeindruckende Weise die dunkle Seite der Globalisierung, die sich in den Gesichtern von Dealern, Gefangenen, Prostituierten, Süchtigen, Grenzsoldaten und Polizisten spiegelt.

„Poppy“ veranschaulicht, welches Chaos, welche Gewalt und welche Undurchsichtigkeit entlang der Handelsroute des Heroins herrschen. Der Rezipient taucht in vielschichtige parallele Welten ein, in denen unterschiedliche Ereignisse und Entwicklungen miteinander verknüpft sind. Dadurch muss der Betrachter sich immer wieder neu positionieren und wird in eine Bild- und Informationsflut hineingezogen, die faszinierend wie beängstigend ist. Angesichts der Komplexität dieses Themas entwickelten Robert Knoth und Antoinette de Jong eine adäquate Ästhetik, experimentieren mit nicht-linearen Formen des Geschichtenerzählens und lassen das Medium der Fotografie mit anderen dynamischeren Techniken wie Video und Multi-Screen-Projektionen verschmelzen.

 

Künstler: Robert Knoth und Antoinette de Jong

© Robert Knoth